Beschreibung: Bevor eine S7-400 CPU oder eine CPU 318-2 nach dem Einschalten mit der Bearbeitung des Anwenderprogramms beginnt, wird ein Anlaufprogramm bearbeitet. Im Anlaufprogramm können Sie durch entsprechende Programmierung von Anlauf-OBs bestimmte Voreinstellungen für Ihr zyklisches Programm festlegen.
Es gibt drei Anlaufarten:
| Anlaufart |
Kurzbeschreibung |
| Neustart (Warmstart) |
Die Programbearbeitung wird neu begonnen. Remanente Daten bleiben dabei erhalten. |
| Kaltstart |
Aktuelle Daten werden verworfen und die Programmbearbeitung wird mit den Startwerten neu begonnen. |
| Wiederanlauf |
Nach Netzwiederkehr wird das Programm an der unterbrochenen Stelle wiederaufgenommen. |
Im Betriebszustand "ANLAUF":
- wird das Programm im Anlauf-OB (OB 100 für Neustart (Warmstart), OB 101 für Wiederanlauf, OB 102 für Kaltstart) abgearbeitet
- ist keine zeit- und alarmgesteuerte Programmbearbeitung möglich
- werden die Zeiten aktualisiert
- läuft der Betriebsstundenzähler
- sind die Digitalausgänge auf Signalbaugruppen gesperrt, können aber über Direktzugriff gesetzt werden.
Neustart (Warmstart):

Bild 01
Bei Neustart (Warmstart) wird die Programmbearbeitung am Programmanfang mit einer "Grundstellung" der Systemdaten und der Anwenderoperandenbereiche neu begonnen.
- Das Prozessabbild und die nicht remanenten Merker, Zeiten und Zähler werden zurückgesetzt. Remanente Merker, Zeiten und Zähler behalten ihren zuletzt gültigen Wert. Alle Datenbausteine, die mit der Eigenschaft "Non Retain" parametriert wurden, werden auf die Ladewerte zurückgesetzt. Die anderen Datenbausteine behalten ihren zuletzt gültigen Wert.
- Die Programmbearbeitung wird wieder am Anfang (Anlauf-OB oder OB 1) begonnen.
- Bei Unterbrechung der Stromversorgung steht der Warmstart nur bei gepuffertem Betrieb zur Verfügung. Wird Ihre CPU ohne Pufferbatterie betrieben, wird nach dem Einschalten oder bei Spannungswiederkehr nach NETZ-AUS die CPU automatisch urgelöscht und anschließend ein Neustart (Warmstart) durchgeführt.
Ein Neustart (Warmstart) ist immer zulässig, es sei denn, vom System wurde Urlöschen angefordert. In folgenden Fällen ist nur Neustart (Warmstart) möglich, nach:
- Urlöschen
- dem Laden des Anwenderprogramms im STOP-Zustand der CPU
- USTACK/BSTACK-Überlauf
- Abbruch des Neustart (Warmstart) (durch NETZ-AUS oder über Betriebsartenschalter)
- Überschreiten der parametrierten Unterbrechungszeitgrenze für Wiederanlauf.
Bedienfolge beim Neustart (Warmstart):
Ein manueller Neustart (Warmstart) kann ausgelöst werden:
- über den Betriebsartenschalter
(der Schalter CRST/WRST - soweit vorhanden - muss auf CRST stehen)
- über Menübefehl vom PG aus bzw. über Kommunikationsfunktionen
(wenn der Betriebsartenschalter auf RUN oder RUN-P steht)
Ein automatischer Neustart (Warmstart) kann ausgelöst werden bei NETZ-EIN, wenn:
- die CPU bei NETZ-AUS nicht im STOP war
- der Betriebsartenschalter auf RUN oder RUN-P steht
- kein automatischer Wiederanlauf oder automatischer Kaltstart nach NETZ-EIN parametriert ist
- die CPU im Neustart (Warmstart) durch Netzausfall unterbrochen wurde (unabhängig von der Parametrierung der Anlaufart).
Kaltstart:

Bild 02
- Bei Kaltstart werden per SFC erzeugte Datenbausteine im Arbeitsspeicher gelöscht, die übrigen Datenbausteine haben den vorbelegten Wert aus dem Ladespeicher.
- Das Prozessabbild sowie alle Zeiten, Zähler und Merker werden auf die im Programm (Ladespeicher) hinterlegten Startwerte zurückgesetzt, unabhängig davon, ob sie als remanent parametriert worden sind.
- Das Prozessabbild der Eingänge wird eingelesen und das STEP 7- Anwenderprogramm beginnt wieder am Anfang (OB 102 oder OB 1).
Bedienfolge beim Kaltstart:
- Einen manuellen Kaltstart können Sie ausschließlich vom PG aus auslösen.
- Bei einigen S7-400-CPUs können Sie mit dem Betriebsartenschalter und dem Anlaufartenschalter (CRST/WRST) einen Kaltstart durchführen, wenn dies bei der Parametrierung mit STEP 7 so festgelegt wurde.
Wiederanlauf:

Bild 03
Nach Spannungsausfall im RUN und anschließender Spannungswiederkehr durchlaufen S7-400-CPUs eine Initialisierungsroutine und führen dann automatisch einen Wiederanlauf durch. Bei einem Wiederanlauf wird das Anwenderprogramm an der Stelle fortgesetzt, an der die Bearbeitung unterbrochen wurde (Zeiten, Zähler und Merker werden nicht zurückgesetzt, in DBs bleiben die aktuellen Werte erhalten). Der Teil des Anwenderprogramms, der vor Netzausfall nicht mehr bearbeitet wurde, wird als Restzyklus bezeichnet. Der Restzyklus kann auch zeit- und alarmgesteuerte Programmteile enthalten.
- Beim Wiederanlauf behalten alle Daten inklusive des Prozessabbildes ihren zuletzt gültigen Wert.
- Die Programmbearbeitung wird genau mit dem Befehl fortgesetzt, bei dem die Unterbrechung eingetreten ist.
- Bis zum Ende des aktuellen Zyklusses werden die Ausgänge nicht verändert.
- Bei Unterbrechung der Stromversorgung steht der Wiederanlauf nur bei gepuffertem Betrieb zur Verfügung.
Ein Wiederanlauf ist prinzipiell nur zulässig, wenn das Anwenderprogramm im STOP-Zustand nicht verändert wurde (z.B. durch Nachladen eines geänderten Bausteins) bzw. wenn nicht aus anderen Gründen Neustart (Warmstart) erforderlich ist.
Bedienfolge beim Wiederanlauf:
Ein manueller Wiederanlauf ist nur möglich bei entsprechender Parametrierung im Parametersatz der CPU und nach den folgenden STOP-Ursachen:
- der Betriebsartenschalter wurde von RUN auf STOP gesetzt
- vom Anwender programmierte STOPs, STOPs nach Aufruf nicht geladener OBs
- STOP-Zustand wurde vom PG oder durch Kommunikationsfunktion herbeigeführt.
Ein manueller Wiederanlauf kann ausgelöst werden:
- über den Betriebsartenschalter
- Wenn vorhanden muss der Schalter CRST/WRST muss auf WRST stehen.
- über Menübefehl vom PG aus bzw. über Kommunikationsfunktionen (wenn der Betriebsartenschalter auf RUN oder RUN-P steht).
- wenn im Parametersatz der CPU manueller Wiederanlauf parametriert wurde.
Ein automatischer Wiederanlauf kann ausgelöst werden bei NETZ-EIN, wenn
- die CPU bei NETZ-AUS nicht im STOP oder HALT war
- der Betriebsartenschalter auf RUN oder RUN-P steht
- im Parametersatz der CPU automatischer Wiederanlauf nach NETZ-EIN parametriert wurde.
- Wenn vorhanden ist der Schalter CRST/WRST bei automatischem Wiederanlauf wirkungslos.
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